Gar nicht so leicht

Erfahrungsberichte von Hundehaltern in Hundeschulen oder mit Hundetrainern.

Gar nicht so leicht

Beitragvon qendo » Di 12. Mai 2009, 15:04

Ganz einfach - man ruft Juliane an ;-) Aber mal Spaß beiseite - ist ein spannendes Thema. Ich denke, hier kommt es nicht nur auf das erforderliche Fachwissen an, sondern vor allem auf die persönliche Chemie... Besser viele verschiedene Hundeschulen/Trainer genau unter die Lupe nehmen - und das vorerst noch ohne Hund... Und dann muss einfach das Vertrauen passen, die Methoden müssen einem zusagen etc... ist jedenfalls gar nicht so einfach - insbesondere wenn man bedenkt, dass man die trainer ja nicht ständig wechseln sollte, sondern im Sinne des systematischen Aufbaus möglichst bei eienr Linie bleiben...
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Re: Gar nicht so leicht

Beitragvon paul » So 24. Mai 2009, 12:35

ja qendo.... zum einen das und dann sollte man natürlich auch mal andere hundebesitzer fragen...
wer kann wo welchen trainer/schule empfehlen? und warum?
oft hat man ja gar nicht die möglichkeit viele trainer/schulen auszuprobieren, weil's vielleicht einfach nicht soooo viele in der nähe gibt
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Re: Gar nicht so leicht

Beitragvon Linööö » Do 1. Okt 2009, 20:39

Hey,
habe da auch eine ganz spezielle Erfahrung mit Hundetrainern gemacht. Bin zu einem gegangen, der einen ganz tollen Eindruck auf mich gemacht hat. So weit so gut. Hab ich dann einfach einmal eine Privatstunde bei dem genommen und bin fast umgefallen. Es ist zwar toll und schön wenn man 20 Hunde um sich herum hat und alle aufs Wort hören aber zu welchem Preis denn bitte?
Ich möchte das mein Hund zu mir kommt, weil er sich freut und nicht aus Angst und Unterwürfigkeit. Ich kann nur empfehlen sich nicht vom ersten Eindruck täuschen zu lassen!
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Re: Gar nicht so leicht

Beitragvon Juliane Lange » Fr 2. Okt 2009, 22:29

Hi Linööö,

das klingt so, als müsse man sich zwischen einem Hund entscheiden, der entweder "aufs Wort gehorcht" oder Spaß mit seinem Herrchen/Frauchen hat.

Dem ist nicht so! Sogar eher das Gegenteil ist der Fall. Der Gehorsam des Hundes verbessert sich in dem man sich oft und konsequent mit ihm beschäftigt. Heißt also im Umkehrschluss ein gut erzogener Hund hat nicht nur das Glück, dass er sein Gehirn benutzen darf, sondern auch, dass sein Besitzer viel Zeit mit ihm verbringt und sich seinem Hund intensiv widmet.

Natürlich bleibt bei einer guten Erziehung auch eine "Korrektur" unerwünschten Verhaltens nicht aus. Einen zuverlässigen Gehorsam bekommt man nicht, wenn man dem Hund sein ganzes Leben lang ein Leckerli vor die Nase hält, damit er sich eventuell entscheidet, dass zu machen, was Herrchen/Frauchen sagt. Das ist dann kein ausgebildeter - sondern allenfalls ein "dressierter" Hund.

Die beste Erziehung nützt ohne das Setzen klarer Grenzen nichts. Beobachtet man Hunde untereinander, kann man sehen, dass diese nicht nur "nett" miteinander umgehen. Es gibt auch klare Grenzen. Werden diese überschritten, ist Schluss mit lustig.

Erzieht der Mensch seinen Hund, sollte er natürlich darauf achten, dass eine "Korrektur" zum richtigen Zeitpunkt erfolgt und der Hund auch eine Chance hat, sie mit dem nicht gewünschten Verhalten zu verbinden. Das heißt nicht, dass Hunde, die einen guten Gehorsam haben, diesen durch Prügelei erlernt haben. Zuerst wurde ihnen beigebracht, was man von ihnen erwartet (welches Verhalten sich also lohnt = Lob), wenn das sicher sitzt, wird der Schwierigkeitsgrad langsam erhöht. Irgendwann kommt die Situation, in der der Hund etwas anderes spannender findet als Herrchens/Frauchens Lob. Dann ist es Zeit sich auch mal durchzusetzen und zu zeigen, dass das nicht gewünscht ist (welches Verhalten sich also nicht lohnt). Dafür reicht auch ein Leinenruck.

So ist es nun mal, der Hund/Wolf lebt in der Hierarchie. Nur der Beste kann an der Spitze stehen und durch seine Führung dem Rudel das Überleben sichern. Bin ich als Mensch nicht in der Lage einen Hund artgerecht und mit liebevoller Konsequenz zu erziehen, habe ich bald das Problem, dass er sich als Rudelführer fühlt. Das Resultat erlebe ich leider all zu oft in der Hundeschule. Person X kommt mit Hundchen Y und erzählt:"Immer wenn ich ihm eine Zecke entfernen möchte oder mal schauen will, ob er sich etwas in der Pfote eingetreten hat, beißt er mich. Wenn ich ihm sein Spielzeug wegnehmen will, knurrt er mich an und dann beißt er...usw."

Derartige Probleme müssen nicht erst entstehen, wenn man konsequent bleibt. Dabei kann man solche Dinge wie zuerst essen, zuerst durch die Tür gehen usw. echt vergessen. So ein Blödsinn ist nicht nötig, wenn man in der Erziehung konsequent ist. Hat der Hund einmal verstanden, dass "Sitz" auch immer "Sitz" heißt und der Besitzer dafür sorgt, dass er dieses Signal auch dann ausführt, wenn es mal kein Leckerli gibt oder Hund etwas anderes "machen möchte", gibts auch keine Rangfolgeprobleme und der Gehorsam verbessert sich ganz nebenbei und ohne Gewalt.

Auch in der Rettungshundearbeit (die nunmal meine Leidenschaft ist), rettet ein zuverlässiger Gehorsam dem Rettungshund und dem Rettungshundeführer unter Umständen das Leben. Auch hier ist es absolut unmöglich einen solchen Hund durch Strafe/Prügelei etc. auszubilden. Oder kann mir vielleicht jemand sagen, wie man einen Hund dazu zwingen kann seine Nase einzusetzen, wenn er es nicht will?!?

Es ist also keine entweder - (guter Gehorsam) - oder (freudiges Hundchen) - Frage. Sondern eher eine Frage welche Ausbildungsmethoden man verwendet um einen guten Gehorsam zu erzielen.
Die Illusion einer komplett "zwanglosen" Hundeerziehung möchte ich zerstören - das funktioniert nicht! Dabei ist aber zunächst einmal zu definieren was "Zwang" ist. Den Fans der "Zwanglosfraktion", die mit ihrem Hund an der Flexileine vor mir stehen, stelle ich immer zuerst die Frage, ob sie es denn zwanglos finden einem Säugetier einen Strick um den Hals zu binden!?! Ist es dann nicht also auch schon Zwang zu entscheiden, WAS und WANN der Hund frisst???
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Re: Gar nicht so leicht

Beitragvon Linööö » Sa 3. Okt 2009, 12:23

Hey,

danke erst mal für den wirklich langen und ausführlichen Bericht. Ich finde das super das sich hier auch die Zeit genommen wird um so etwas weiter zu erläutern. Habe aber dennoch das Gefühl das mein Beitrag etwas falsch verstanden worden ist.

Nachdem was geschrieben worden ist, ist zwar einiges klarer geworden aber ich meine die Methode nur mit Sanktion zu trainieren. Hatte drei Jahre Psychologie und bin mir bewusst das das eine super schnelle und relativ sichere Methode ist aber ich finde das ist nicht der Beste Weg. Habe bereits einen Trainer erlebt der den Hund so lange gewürgt hat bis er blau angelaufen ist und erst dann nachgelassen. Frei nach dem Motto: „Macht der Hund nicht das was ich von ihm will bring ich ihn um“. Mag sein das das funktioniert aber ist das denn `human´?
Aufgrund dieses Trainers bin ich auch dann zu euch in die Hundeschule gekommen ;)

Gruß Linööö
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Re: Gar nicht so leicht

Beitragvon Juliane Lange » Sa 3. Okt 2009, 21:05

Hi Linööö,

da geb ich dir Recht.
Ausschließlich negativ zu arbeiten ist unter aller Sau, nicht fair und zeugt von mangelndem kynologischem Wissen!
Einem Hund nur durch Gewalt zu "erklären", was er nicht darf, ist einfach. Viel schwerer ist es, ihm zu erklären, was er tun soll und ihm dabei auch noch Spaß an der Arbeit zu vermitteln - ihn eben nicht zu zerbrechen, sondern eher aufzubauen.
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Re: Gar nicht so leicht

Beitragvon Linööö » Mo 18. Jan 2010, 20:40

Hehe,

vielleicht könnt ihr euch noch an uns Chaostrupp erinnern xD
Konnte leider eine Zeit lang nicht mehr kommen… find das allerdings wirklisch schade, denn ich fand mich und Age super in eurer Hundeschule aufgehoben. Irgendwie war ich immer super motiviert wenn ich wieder nach Hause gefahren bin und wollte was ändern. Durch eine dumme Futtermittelallergie und allerhand anderen Ereignissen bin ich nicht mehr dazu gekommen noch weiter nach Potsdam zu kommen. Ich denke für den Irren wäre der Rauferkurs am besten aber der findet zu Zeiten statt zu den ich es leider absolut nicht schaffe zu kommen. Wäre in diesem Fall Einzeltraining etwas für uns beide?

Gruß Lina
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