Wie reagiere ich, wenn mein Hund auf "Durchzug" stellt

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Antje
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Re: Wie reagiere ich, wenn mein Hund auf "Durchzug" stellt

Beitrag von Antje » Dienstag 13. März 2012, 07:38

Ob man mit Kindern im Buddelkasten spielen kann, mit ihnen durch Pfützen hüpft oder sich mit ihnen im Schnee sült.....

MAN KANN DIES AUCH MIT DEM HUND MACHEN! ;) ....UND SIE HABEN MEGA SPASS DABEI :D

Ich möchte dazu nur sagen, dass ich es LIIIEEEEBBBBEEEE, wenn ich mich mit meinen oder gar mit anderen Hunden im "Dreck" rum wälzen kann. Ob ich nun von anderen angesprochen werde: Wie siehst Du denn aus?....völlig egal, denn mir kann keiner die Freude nehmen, welche zwischen dem Hund und mir dabei aufkommt.

Beate und Seal
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Re: Wie reagiere ich, wenn mein Hund auf "Durchzug" stellt

Beitrag von Beate und Seal » Dienstag 13. März 2012, 11:29

Liebe Jule,

da hast du mich aber deutlich mißverstanden. Leider! :( Oder ich habe mich eben nicht korrekt ausgedrückt. Seit über 20 Jahren halte ich Pferde, so artgerecht wie nur möglich - im Offenstall und Herdenverband. Ich bin bei jedem Wetter draussen, auch bei Regen und Minustemperaturen, denn auch die Pferde wollen jeden Tag versorgt sein. Dreck, Matsch und Regen sind für mich sicherlich kein Problem. Schlechtes Wetter gibt es nicht, nur schlechte Kleidung! Und trotzdem freue ich mich, wenn es trocken ist und die Sonne scheint. Denn dann habe ich weniger Arbeit (z.b. mit Wäsche waschen, putzen etc.) und kann diese kostbare Zeit mit meiner Familie oder meinem Pferd/Hund verbringen.

Wir haben Seal nicht wegen seiner "Schönheit" ausgewählt, sondern uns lange damit befasst, was für ein Hund in unsere Familie und den damit verbundenen Ablauf paßt. Auch waren wir bei verschiedenen Züchtern, um uns ein Bild von der Rasse zu machen. Seal soll kein "Couchhund" werden, welcher Hund ist da schon glücklich?

Aber ich bin der Meinung, dass ein Hund erst einen gewissen Grundgehorsam erlernen muss, bevor man an andere Aufgaben gehen kann. Wir besuchen ja auch erst die Grundschule und dann geht es je nach geistiger Fähigkeit weiter auf andere Schulen. Von der Pferdeausbildung her weiß ich, dass viele Pferde oftmals zu schnell ausgebildet werden. Dies geht leider meistens auf Kosten der Pferde, da man diese auch geistig sehr schnell überfordern kann. Ich denke, das wird bei den Hunden nicht anders sein.

Liebe Grüße
Beate

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Antje
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Re: Wie reagiere ich, wenn mein Hund auf "Durchzug" stellt

Beitrag von Antje » Dienstag 13. März 2012, 12:22

Einen großen Nachteil hat die Schleppleine: Man ist immer dreckig, besonders die Hände. Benutzte jetzt schon Handschuhe, aber bei starkem Regenwetter ist das auch nicht der Hit! Deshalb freue ich mich jetzt auf den Frühling und hoffe, das es meistens nachts regnet!
Sorry, bei mir kam es so an... ;)
Aber Du hast jetzt ja nochmal deutlich gemacht, dass Dir "Schmutz und Wetter" nichts weiter ausmachen..... :D

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Re: Wie reagiere ich, wenn mein Hund auf "Durchzug" stellt

Beitrag von Juliane Lange » Dienstag 13. März 2012, 22:22

Beate und Seal hat geschrieben: da hast du mich aber deutlich mißverstanden. Leider! :(
Ja, haben wir wohl... und das tut mir auch leid. Solltest du es als "Angriff" auf dich gesehen, so war es nicht gemeint.
Entschuldige bitte dafür. :oops:

Habe versucht es "allgemein" zu halten und nicht dich im Speziellen zu meinen.
Beate und Seal hat geschrieben:Von der Pferdeausbildung her weiß ich, dass viele Pferde oftmals zu schnell ausgebildet werden. Dies geht leider meistens auf Kosten der Pferde, da man diese auch geistig sehr schnell überfordern kann. Ich denke, das wird bei den Hunden nicht anders sein.
Wie und warum das bei Pferden so sein kann, kann ich nicht beurteilen, da ich noch nie einen Einblick in die Ausbildung eines (oder gar mehrerer Pferde) Pferdes hatte. Ich glaube auch nicht, dass man das grundlegend vergleichen kann, da hinter dem Hund einfach schon ein paar Tausende Jahre mehr Zuchtselektion und Zusammenarbeit mit dem Menschen dahinter stehen, als beim Pferd.

Zum Überfordern...
Wenn ein Hund überfordert ist, zeigt er dies in direkt in der Situation, in der die Überforderung auftritt. Passiert auch tagtäglich besonders bei den Familienhunden in fast jeder einzelnen Übung, zB. beim "Sitz". Herrchen soll nen Kreis um Hund laufen... es wird grundsätzlich soweit gelaufen, dass der Hund mit der Situation überfordert ist und deshalb aufsteht (bei diese Art der Überforderung macht sich aber keiner nen Kopf), anstelle die Übung kleinschrittig aufzubauen und immer nur so weit zu gehen, dass der Hund in jedem Falle an Ort und Stelle verbleibt und sich DANN immer wieder Schritt für Schritt weiter zu entfernen und nach jedem Schritt den man diesmal weiter gewagt hat, zurück zukommen und den Hund zu loben um dann beim nächsten Mal noch einen Schritt weiter weg zu gehen.
Das ist Überforderung im inhaltlichen (qualitativen) Sinne... schadet dem Hund allerdings nicht. Erschwert es ihm lediglich die Übung zu verstehen und somit wird es länger dauern bis er sie korrekt erlernt und wirklich KANN.
Zu dieser Art der Überforderung bedeutet im Allgemeinen: Dinge vom Hund zu verlangen, die man ihm noch nicht vermittelt hat. Wie zB. zu Rufen und zu erwarten, dass er unter Ablenkung kommt, obwohl er das auch ohne Ablenkung noch nicht zu 100% kann.
Diese Art der Überforderung passiert besonders den Familienhundealtern aus mangelnder Sachkenntnis und das nahezu täglich.

Eine Überforderung im quantitativen Sinne (also Hund kann zuviel), gibt es nicht. Vor allem nicht, wenn man gezielt arbeitet und einen Trainingsschritt nach dem anderen macht, wie es eben bei Sport- oder Einsatzhunden geschieht. Da wird genauestens darauf geachtet, dass Hund Übungsschritt 1 auch sicher verstanden hat und diesen auch "von selbst anbietet", erst dann geht es mit Übungsschritt 2 weiter...also alles logisch und aufeinander aufbauend.

Eine generelle Überforderung (im inhaltlichen Sinne, also Hund ist überfordert weil er "zuviel" kann), gibt es also nicht.
Wann fängt man idealer Weise bei Diensthunden mit der Arbeit an??? Richtig, im Welpenalter. Nehmen wir mal die Rettungshundearbeit (mein Hauptbereich und eigentlicher Lebensinhalt). Im Idealfall lernen die Hunde schon in jüngstem Alter (meiner im Alter von 8 Wochen) das Verhalten am Opfer (= was Hund tun soll, wenn er einen Menschen gefunden hat). In diesem Falle das Verbellen... das ist ein Spiel! Er will die Beute und hat gelernt, wenn er bellt, bekommt er sie. Für ihn ist das ein Spiel. Später (mit 16-20 Wochen) beginnt man schon kleinen der Suchen nach Vermissten. Hund freut sich riiiiiesig auf das Spiel mit dem (meist fremden) Menschen und sucht den Menschen daher. Wenn er ihn gefunden hat, bellt er ihn an. Darauf bekommt er sein Spiel. Nach und nach werden die Aufgaben schwieriger. Sie erlernen ab der 8. Woche den Grundgehorsam (dieser ist nicht mal ansatzweise mit dem eines Familienhundes vergleichbar, sondern er muss zuverlässig und auch in Extremsituationen klappen. Dagegen ist die Ablenkung durch andere Hunde oder Menschen eher lächerlich.), gleichzeitig beginnt das Gerätetraining (Leitern überqueren, Wippe, wackeliges Matarial usw.). Mit 2-3 Jahren sind sie freudige und einsatztaugliche und in jeder Sitation zuverlässige Rettungshunde. Das wären sie mit Sicherheit nicht, wenn sie in der Ausbildung überfordert gewesen wären... ;)

Was den zuverlässigen Einsatzhund vom "Familienhund" unterscheidet ist lediglich die gezielte und "spaßige" Ausbildung.
Nehmen wir mal das Beispiel unseres Labradors... Alle seine Wurfeschwister gingen als "Familienhunde" weg. Unserer landete bei uns und begann im Alter von 10 Wochen seine Ausbildung zum Rettungshund. 2009 wurde er bei der Deutschen Meisterschaft der 7. beste Rettungshund ganz Deutschlands.
Da ich noch Kontakt zu einigen der Besitzer seiner Wurfgeschwister habe, weiß ich, was aus ihnen geworden ist. Eine lebt im Familienanschluss auf einem Grundstück. Aussage der Besitzer: "Sie muss nix lernen, sie darf Hund sein." Nach 12 Monaten beschwerten sie sich, dass der Hund das ganze Grundstück umgräbt (Klar wer nix zu tun hat, sucht sich Arbeit). Sie fing an am Zaun zu bellen. Ich warnte, dass das gefährlich werden könnte. Darauf kam: "Ach, die tut doch niemandem was!" Ich: "Ja, NOCH nicht!" Als sie 3 war, biss sie einen Bekannten als er die Familie besuchen wollte. Und da sie im Garten ohnehin keine Blume mehr stehen ließ und nun auch ihre selbstgewählte Aufgabe als Wachhund ernst nahm, wurde ein Zwinger gebaut in dem sie nun seit 4 Jahren lebt.

Ein Bruder unseres Labis gestaltete immer wieder die Wohnung um bis es den Besitzern zu viel wurde und sie den Hund weggaben.

Tja und nun der Vergleich zu unserem Labi: Liegt ruhig in der Wohnung, zerstört nix, beißt niemanden, hört in jeder Situation - was die Leine fast überflüssig macht. Hat nur Augen für Herrchen (seinen Hundeführer) und liebt die gemeinsame Arbeit (Menschensuche) über alles.

Welcher Hund ist glücklicher????

Rettungshunde sind vom "Rohmaterial", also unausgebildet, auch nichts anderes als jeder Familienhund. Erst die Ausbildung macht sie zu dem was sie sind. Aber sie kommen auch als "ganz normaler Hund" auf die Welt. Und wenn du mal schaust, was so die beliebtesten Rassen in der Rettunsghundearbeit sind...: Border Collie, Aussies, Labrador Retriever, Golden Retriever, Schäfis...usw.

Alles "Gebrauchs"- (also Arbeitshunderassen)hunde. Eben weil sie arbeiten WOLLEN. Wenn man bedenkt wie lange es den Hund an der Seite des Menschen gibt (so lang wie kein anderes Tier) - nachweislich seit 15 000 Jahren - muss es auch einen Grund dafür geben.
Keiner hätte vor 15 000 Jahren ein Tier ernähren können, was ihm nichts nützt (als Nahrung oder Felllieferant). Also hatte man bereits vor 15 000 Jahren erkannt, dass Hunde nützlich sind beim Jagen, Hüten und Bewachen...

Was wird man wohl über Jahrtausende mit Hunden gemacht haben, die ihren ursprünglichen Zweck nicht erfüllt haben?!?!
Was wird der Jäger vor 100 Jahren (Lebensumstände un Nahrungsknappheit) mit nem Hund gemacht haben, der nicht für die Jagd taugt?!?! Was wird noch heute der Schäfer in "ärmeren" Regionen tun, wenn er nen Hund hat, der zu seinen Zwecken nich zu gebrauchen ist?!?!?!
Auch wenn es aus heutiger Sicht unmenschlich erscheint, aber solche Hunde hatten keine lange Lebenserwartung. :( Und sie kamen schon mal gar nicht dazu sich zu vermehren. Dass überhaupt unterschiedlichste Rassen entstanden sind, hatte den Grund, dass der Mensch den Hund für bestimmte Aufgaben brauchte... Es haben sich also vornehmlich über 15 000 Jahre Hunde mit Arbeitsanlagen und Arbeitswillen ("Will to Please") durchgesetzt und wurden durch gezielte Auswahl so verpaart, dass nur die "arbeitswütigsten" in die Zucht kamen.
Und wenn man sich dann noch vor Augen führt, wie so ein Arbeitstag für einen Hund aussah... 12-16h Schafe hüten (was für den Hund eher als Spiel zu betrachten ist, nur eben nach (Spiel-)Regeln)... ist selbst das heutige Dienst- und Sporthundewesen eher "Vollzeiturlaub" mit ein wenig Abwechslung.

Seid wann gibt es die Familienhundehaltung??? Seid max. 50 Jahren. Und dem stehen nun 15 000 Jahre Zucht auf Arbeitsanlagen entgegen! Was ist wohl mehr in den heutigen Gebrauchshunderassen vertreten??? Der Wunsch zur Arbeit oder der Wunsch "arbeitsloser Nebenherläufer" zu sein?

Keine Angst, mit dem Bisschen "Sitz", "Platz", Heranrufen, Leinenführigkeit und eventuell noch nem Abbruchsignal überfordert man KEINEN Hund - egal welcher Rasse. ;)

Im Gegenteil, nach Jahren aktivem Rettungshundeführerdasein und jahrelanger Hundetrainerttigkeit (bei ca. 700 unterschiedlichsten Hunden pro Jahr), habe ich noch nicht EINEN überforderten Hund erlebt, aber leider 1000e die aufgrund von UNTERFORDERUNG ne Menge "Macken" entwickelten, die von ganz harmlos und "nur" für den Hund stressig sind (eigenen Schwanz jagen, Selbstzerstörung durch Fellrupfen, alles Ankläffen usw.) bis hin zu ernsthaften Problemen (übersteigerter Aggressivität gegen Menschen) reichen.

Häufig wird mit der Angst vor Überforderung auch immer folgendes gesagt: "Ich will ja keinen Maschinenhund. Mein Hund darf schon noch Hund sein." (Damit meine ich jetzt nicht dich!)
Als Maschinenhund, der angeblich kein Hund mehr ist, versteht der Familiehundehalter einen Hund der aufs erste Signal sofort die Anweisung umsetzt und häufig glaubt man dann, dass dies nicht natürlich sei.
Hierzu kann ich nur sagen "Maschinenhunde" gibt es nicht. Nur Hunde die so zuverlässig gehorchen, dass sie ein Maximum an Freiheiten genießen können, da man sich in jeder Situation auf sie verlassen kann. Bekommen sie kein Kommando, machen sie auch nix anderes als jeder andere Hund auch (schnüffeln, mit anderen Hunden spielen, rum rennen und Spaß haben usw.). Da man sich auf diese sogenannten "Maschinenhunde" verlassen kann, können sie viel öfter und überall einfach Hund sein, da sie zuverlässig und sofort reagieren. Und nur weil ein Hund viel kann, verliert er das Hund sein doch nicht. Das wäre ja so als würde man sagen, Menschen mit Professortitel seien keine Menschen mehr...

Nun muss aber nicht jeder Hund gleich Rettungshund werden, aber er sollte eben sein Hirn benutzen dürfen. Ein kleiner neuerlernter Trick jeden Monat hilft da auch schon. Den Grundgehorsam Stück für Stück aufbauen und festigen und immer anspruchsvoller gestalten stellt schon die geringstmögliche Form der geistigen Auslastung dar und ist nebenbei sehr praktisch im Alltag. Des Weiteren formen sich somit Hund und Mensch zu einem fest zusammen geschweißten Team, welches sich aufeinander verlassen und vertrauen kann und jede Situation souverän meistert. Wie schade für alle, die soetwas nie erleben wollen/werden... :cry:

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